Freitag, 27. April 2018

Ein Spaziergang über die Frühlingswiese


Ein Artikel von Hans Wagner

Von Zauberpflanzen und Himmelsschlüsseln

Haselnuss und Weidenkätzchen künden den Frühling an. Wenn Kirsch- und Apfelbäume blühen ist er endlich eingezogen. Nun begrünen sich auch die schlanken Birkenzweige, Eiche und Buche schlagen aus. Im lichten Laubwald folgen den Schneeglöckchen und Leberblümchen die duftenden Schlüssel-blumen. Diese Pflanze ist tatsächlich ein Schlüssel, dann sie eröffnet den Blumenhimmel. Primel vom lateinischen „primus“ – die erste wird sie genannt, weil sie ein Erstling unter den Wiesenblumen ist.
Der Volksmund nennt sie Himmelsschlüssel, den Germanen glich der Büschel gelber Schlüsselblumenblüten einem Schlüsselbund.
Sie waren der Göttin Freya geweiht und sie allein hatte die Schlüsselgewalt, mit der die kosmischen Zeiträume geöffnet und wieder geschlossen wurden. Für unsere germanischen Vorfahren waren diese Blumen daher Zauberpflanzen.

Foto Frühlingswiese©Ute Knieriemen-Wagner/Tourist Info Trippstadt
 Doch auch das Christentum wusste um das Geheimnis der Schlüsselblumen. So erzählt eine alte Sage folgendes: „Eines Tages versuchte der Teufel in den Himmel zu schleichen. Ganz leise und behutsam pirschte er sich heran. Als Petrus den Schatten des Himmelsfürsten sah, erschrak er so sehr, dass ihm der Schlüsselbund aus den Händen glitt und auf Erden fiel. Als die Schlüssel den Boden berührten, verwandelten sie sich in Schlüsselblumen.“
Immer wieder kehrt in Sage und Märchen die Schlüsselblume als Helferin und Öffnerin geheimer Schatztruhen und Felshöhlen auf. Und nach einem langen, harten Winter öffnet sie uns auch heute immer noch verborgene Schatztruhen. Vor allem den größten und schönsten Schatz den es zu entdecken gibt - den Schatz der Natur.
Jetzt ist die Zeit, da es uns mit Macht hinauszieht ins Freie. Und wenn wir nun bewusst auf der Wiese Ausschau nach Pflanzen und Kräutern halten, werden wir eine Vielzahl solcher entdecken. Das Gelb des Löwenzahns der überall erblüht ist, bestimmt zu dieser Zeit den Farbton der Wiese. Nur an feuchten Stellen schimmert es lilafarben vom Wiesenschaumkraut. Überall sind die Dolden des Wiesenkerbels hochgeschossen.
 
Foto Sumpfdotterblumen©Ute Knieriemen-Wagner/Tourist Info Trippstadt

Eine kleine Bodenwelle, die recht trocken liegt, ist der Standort des Körnersteinbrechs. Am Wege teilt er sich mit Ehrenpreis und Hornkraut die Vorherrschaft.
Die kleinen Sterne des Gänseblümchens verschwinden ganz unter dem Gelb des Löwenzahns. Der Kuckuck lässt sich nun des Öfteren hören. Amsel und Rötkehlchen singen mit lieblicher Stimme. Überall spürt man nun das Vorhandensein der Frühlingsgöttin. Der Lenz ist ein Schmeichler, er verwöhnt den naturbewussten Menschen in dieser Zeit! Jetzt ist auch die Blütezeit des Ruchgrases, das ringsum verbreitet ist. Am Rande der Wiese steht ein Kirschbaum. Durch den Riesenstrauß, den jeder blühende Kirschbaum darstellt, geht an sonnigen Tagen ein lebhaftes Summen und Brummen. Bienen und Hummeln eilen von Blüte zu Blüte und tauchen ihre Rüssel in die zierlichen Hönigschälchen der Kelche.
Auch die Ameisen sind schon am Kirschbaum unterwegs und wehe dem Käfer, der es wagt an seinem Stamm oder Geäst zu krabbeln, unbarmherzig beißen die Ameisen zu. Die ersten Stare sind eingetroffen und versammeln sich im Kirschbaum, daneben tummeln sich eine Vielzahl heimischer Sänger.

Neben dem Kirschbaum duften die Salweiden. Aus dem nahen Wald tönen die Rufe des Baumfalken herüber und das „Tock, Tock“ verkündet das Vorhandensein eines Spechtes. In einer dichten Hecke des gemeinen Schneeballs lärmen eine Schar Feldsperlinge.
In der Frühe des Morgens äsen Rehe auf der Wiese und in den Nächten geht der Fuchs hier auf Mäusejagd. Der Orion ist auf die andere Seite des Himmelsgewölbes geflohen, in den hellen Mond- und Sternennächten kann man nun den Flug der Fledermaus beobachten. In mondklaren Nächten geht der Waldkauz hier auf Mäusejagd und einsam überfliegt ein Hirschkäfer die nächtliche Stille.
In den Waldwoogen haben schon die Frösche abgelaicht und laut dringt der Ruf des Schwarzspechts durch den Forst. Die ganze Natur befindet sich in Frühlingsstimmung.

Überall spürt man die Farben, den Duft und die Stimmen des Lenzes!

 

Donnerstag, 29. März 2018

Trippstadter Waldgeschichten - der Baummarder von der Amseldell




Amseldell bei Trippstadt - Foto©Ute Knieriemen-Wagner


Wenn sich die Dämmerung wie Nebel zwischen die Bäume bei der Amseldell legt, verlässt der Baummarder seinen Unterschlupf in einer Höhle der alten knorrigen Traubeneiche und geht auf die Jagd. Er klettert kopfüber den dicken, starken Stamm hinunter, springt einige Sätze durch raschelndes Buchenlaub, steckt immer mal wieder seine Nase in ein Bodenloch und hebt sie witternd hoch. Dann setzt er an einem morschen Baumstumpf und auf den mit Porlingen bewachsenen Buchenstämmen die hier liegen seine Duftmarke ab.
Nachdem er auf diese Weise seinen Wechsel und Pass markiert hat, der schon von Mardergenerationen vor ihm eingehalten wurde, setzt er seinen Weg fort. Mit einem Male hält er inne, weil sein scharfes Gehör ein ihm bekanntes Geräusch wahrgenommen hat. Sofort ortet er woher das Geräusch stammt. Schnell wie ein Blitz springt er zu, reißt die Spitzmaus aus dem Laub und verschlingt sie gierig. Hinter der alten Amseldellhütte wo ein Unwetter einige Fichten zusammengedrückt hat, windet sich der Marder schlangengleich durch Dickicht und Unterwuchs der Bäume. Durch enge Löcher und unter herausgerissenen Wurzeln hindurch. Es gibt kaum einen Spalt durch den er sich nicht geschickt hindurch zwängen kann. Hoch oben beim Scharderkopf wo jetzt der Vollmond auf die mystischen Steingebilde fällt, schnappt er einen Nachtfalter. Am alten Fuchsbau verweilt er einige Zeit am Himbeergebüsch und frisst von den süßen Früchten, dann zieht er hungrig weiter. Im Morgengrauen, als er schon in seinen Schlupfwinkel bei der alten Eiche zurückkehren will entdeckt er ein Eichhörnchen. Als dieses den Marder erkennt klettert es in Schraubenwindungen eine alte Fichte hoch. Dann springt es von einer Baumkrone zur nächsten, der Marder immer hinterher. Aufwärts und abwärts geht die Jagd. Schließlich springt das Eichhörnchen mit einem mutigen Satz ins Leere. Diesen Luftsprung kann der Marder nicht nachmachen. Das Eichhörnchen verschwindet in einem Versteck und der Jäger pirscht hungrig weiter. Noch bevor die Sonne aufgeht hat er seinen Unterschlupf an der Amseldell erreicht. Hier verschläft er den Tag und träumt von der nächsten Jagd.

Ein Artikel von Hans Wagner

Ostereierschießen beim Schützenverein Trippstadt


Freitag, 16. März 2018

Frühlingsbeginn in Trippstadt



Selbst wenn im März noch einmal Schnee fällt lässt sich nicht verbergen, dass der Lenz Einzug hält. Eine alte Bauernregel sagt „Märzenschnee tut Saaten weh“. Aber auch für die kleinen Feldhasen die in diesem Monat geboren werden ist er nicht angenehm. An einem Rain des Feldgehölzes hat die Hasenmutter ihre drei bis vier handgroßen Mümmelmänner zur Welt gebracht.   

 Der geübte Naturbeobachter hat vielleicht einmal im Leben das Glück sie dort zu entdecken. Fest aneinander geschmiegt liegen die winzigen Wollknäuel um sich zu wärmen fast regungslos, als seien sie erstarrt. In dieser Zeit fürchten die Junghasen weniger die Kälte als die Nässe des tauenden Schnees. Kommt gar noch ein Eisregen hinzu, wird es gefährlich für die Kleinen. Ihre ärgsten Feinde sind die Krähen auf den Feldern aber auch Mäusebussard und Elstern machen Jagd auf junge Feldhasen, sind sie doch den Tag über alleine. Die Mutter kommt nur in der Abenddämmerung zu ihnen um sie in den ersten Wochen zu säugen. Sie liegt am Tage einige hundert Meter weit ab von der Kinderstube in ihrer „Sasse“.  Hasen sind bekannt dafür, dass sie sich beim Nahen von Menschen einfach auf den Boden „drücken“. Sie verlassen sich auf die graubraune Tarnung ihres Fells und haben meistens Glück, dass man sie übersieht. Wird er allerdings entdeckt sitzt er zu erst einmal mit weit geöffneten Augen in seinem Lager bevor er dann blitzschnell die Flucht ergreift. Nur in höchster Gefahr springt er auf und verschwindet mit 60 – Kilometer – Tempo seine berühmten Haken dabei schlagend, übers weite Feld.

 
Am Kaltenborn - Foto©Ute Knieriemen-Wagner/Tourist Info Trippstadt


In dieser Zeit hört man die helle wimmernde Stimme des Waldkauzes. Was wir da als „kiuwitt – kiuwitt“ hören ist sein Balzgesang. Gleich Anfang März legt die Käuzin ihre schneeweißen Eier in eine Baumhöhle oder Dachnische einer Kirche oder einer alten Scheune, wie auch die Waldohreule die jetzt in den manchmal noch winterlich anmutenden Wäldern heiratet. Sie ist allerdings nicht so komfortabel eingestellt wie der Kauz. Ihr genügt ein altes Krähen– oder Dohlennest. Die Schleiereule die jetzt auch mit der Brut beginnt, bevorzugt ein Dachgerüst als Brutplatz wenn sie ein solches findet.

Auch Meister Grimbart befindet sich in den Flitterwochen, und alsbald liegen auch die jungen Dachse im Bau. Reineke Fuchs tut es ihm gleich und steht ihm was die Liebe betrifft in keiner Weise nach. Schon Mitte März sorgt die Füchsin im tieferen Wald für ihren Nachwuchs. Es dauert fast bis zum Sommer bis die Jungdachse  und Füchse erwachsen werden und schließlich ihrer eigenen Wege gehen. 

 
Foto©Ute Knieriemen-Wagner/Tourist Info Trippstadt


 
Fotos©Ute Knieriemen-Wagner




Auch in der Pflanzenwelt kann man jetzt die ersten Frühlingsboten erkennen. Schneeglöckchen und Märzenbecher zeigen ihre weißen Blüten oft in Begleitung von Krokus und Leberblümchen, Bingelkraut und Buschwindröschen. Der Lenz behauptet sich im März.
Die ersten frischen Frühlingswinde pfeifen über die Felder. Tiefer im Wald erwacht nun auch reges Leben. Die Paarungszeit der Eichhörnchen beginnt. An milden Tagen hören wir am frühen Morgen die ersten Vogelkonzerte und das Lied der Amsel kündet am Abend erwartungsvoll vom ersten Blühen, als wolle sie den Sommer jetzt schon herbei singen. Das Amsellied ist die reine Freude  an der Schöpfung und am Dasein. 

Die Tage nähern sich immer mehr dem Farbenrausch des Frühlings und die ganze Landschaft scheint ein Gesamtkunstwerk zu sein. Die Natur bietet viel in dieser Jahreszeit und das naturkundige Auge sollte jetzt unbedingt auf Entdecker Tour gehen.

Machen Sie sich auf zu einer Tour in Trippstadts Wälder und Wiesen und genießen Sie die ersten Frühlingstage!

Artikel©Hans Wagner